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Roots & Routes: ein praxisnahes Erasmus+-Handbuch für Jugendarbeiter:innen zu Migration, Integration und Zugehörigkeit

Active Yourope hat an einem neuen Erasmus+-Handbuch mit 20 non-formalen Methoden für die Arbeit mit jungen Migrant:innen und Geflüchteten mitgewirkt.

Titelseite des Roots-&-Routes-Handbuchs mit den 30 Teilnehmenden der Erasmus+-Mobilität in Merimasku, Finnland

Active Yourope hat an einem neuen Erasmus+-Handbuch mitgewirkt, das Jugendarbeiter:innen praktische Methoden, Länderperspektiven und non-formale Bildungsinstrumente für die Arbeit mit jungen Migrant:innen, Geflüchteten und jungen Menschen mit Migrationshintergrund an die Hand gibt.

Bei Migration geht es nicht nur um das Überschreiten von Grenzen. Für junge Menschen kann sie auch bedeuten, sich an eine neue Schule zu gewöhnen, eine neue Sprache zu lernen, Beziehungen aufzubauen, Chancen zu finden und in einer unvertrauten Gemeinschaft ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln.

Diese Realitäten standen im Mittelpunkt von „Roots & Routes: Young Lives in Transition“, einem Erasmus+-Mobilitätsprojekt für Jugendarbeiter:innen, das vom 17. bis 24. August 2026 in Merimasku in Finnland stattfand. Das Projekt brachte 30 Teilnehmende aus Armenien, Ägypten, Finnland, Griechenland, Italien, Rumänien und Tunesien zusammen. Sie tauschten Erfahrungen aus, betrachteten Migration und Integration aus verschiedenen nationalen Perspektiven und entwickelten praktische Ansätze, die Jugendarbeiter:innen in ihren eigenen Gemeinschaften nutzen können.

Eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Zusammenarbeit ist das neue Handbuch „Roots & Routes: Young Lives in Transition - A Youth Worker’s Field Guide to Migration, Integration & Belonging“.

Von einer Erasmus+-Mobilität zu einer praktischen Ressource

Das Handbuch entstand im Rahmen des Erasmus+-Projekts KA153-YOU, das von Yhdessä-yhdistys ry / Together Association in Turku, Finnland, koordiniert wird. Es wurde als Arbeitsressource für Jugendarbeiter:innen, Trainer:innen, Pädagog:innen und Organisationen konzipiert, die mit jungen Migrant:innen, Geflüchteten und jungen Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten - nicht als Dokument, das man einmal liest und dann beiseitelegt.

Es verbindet drei Elemente:

  • eine Einführung in die Konzepte von Migration und Integration;
  • vergleichende Migrationsprofile der sieben teilnehmenden Länder;
  • eine praktische Toolbox mit 20 non-formalen Bildungsmethoden, die sich an unterschiedliche Kontexte der Jugendarbeit anpassen lassen.

Die Ressource ging direkt aus den Lernaktivitäten, Diskussionen, Studienbesuchen und von Teilnehmenden geleiteten Workshops hervor, die während der Mobilität stattfanden.

Migration durch sieben verschiedene Realitäten verstehen

Eine Stärke von Roots & Routes war die Möglichkeit, Migration gleichzeitig aus mehreren nationalen Perspektiven zu betrachten. Die teilnehmenden Organisationen befassten sich mit den Realitäten in Armenien, Ägypten, Finnland, Griechenland, Italien, Rumänien und Tunesien.

Diese Länder nehmen im heutigen Migrationsgeschehen sehr unterschiedliche Positionen ein. Einige sind seit Langem Zielländer, andere werden traditionell mit Auswanderung verbunden, und manche sind zugleich Herkunfts-, Transit- und Zielland.

Trotz dieser Unterschiede zeigten sich in den sieben nationalen Kontexten mehrere gemeinsame Herausforderungen: Sprachbarrieren, ungleicher Zugang zu Bildung und Dienstleistungen, Einschränkungen durch den Rechtsstatus, Diskriminierung, Hassrede und die Abhängigkeit der Integrationsförderung von kurzfristigen Projekten. Das Handbuch ermutigt Jugendarbeiter:innen daher, über Statistiken hinauszublicken und zu verstehen, wie Migrationspolitik und gesellschaftliche Bedingungen den Alltag junger Menschen prägen.

Rumänien: vom Auswanderungsland zum Zielland

Active Yourope hat zur rumänischen Perspektive im Handbuch beigetragen. Rumänien wurde historisch vor allem mit starker Auswanderung verbunden, doch die letzten Jahre haben wichtige Veränderungen gebracht. Das Land wird zunehmend zum Ziel für Menschen, die wegen Arbeit, internationalem Schutz oder aus anderen Gründen kommen, während viele Rumän:innen nach einem Aufenthalt im Ausland zurückkehren. Diese veränderte Realität stellt Schulen, öffentliche Einrichtungen, NGOs und Jugendorganisationen vor neue Herausforderungen.

Das rumänische Profil hebt unter anderem die Bedeutung des Zugangs zum Rumänischlernen, von Bildungsunterstützung, verlässlichen Informationen und gemeinschaftsbasierten Integrationsangeboten hervor. Es unterstreicht auch die Rolle zivilgesellschaftlicher und Jugendorganisationen, die Räume schaffen, in denen junge Menschen teilhaben, Beziehungen aufbauen und Chancen nutzen können.

Für Organisationen wie Active Yourope bestätigt dies, wie wichtig es ist, non-formale Bildung, Inklusion, Medienkompetenz, interkulturellen Dialog und aktive Teilhabe in der Jugendarbeit zu verbinden.

20 Methoden, die Jugendarbeiter:innen wirklich nutzen können

Ein zentraler Teil des Handbuchs ist die Toolbox mit 20 praktischen Methoden. Zehn wurden während der Mobilität entwickelt und erprobt - neun von den nationalen Teams und eine vom Trainingsteam -, weitere zehn wurden aus Ressourcen von Organisationen und Netzwerken wie dem Europarat, SALTO-YOUTH und Verke angepasst.

Die Aktivitäten decken sechs miteinander verbundene Bereiche ab: interkultureller Dialog, Identität und Zugehörigkeit, Teilhabe und Zugang, Bekämpfung von Rassismus und Hassrede, Sprache und Kommunikation sowie Erstkontakt und Vertrauen.

Zu den Methoden im Handbuch gehören:

  • The Ladder of Integration (die Leiter der Integration);
  • Take a Step Forward;
  • Human Book;
  • Photo Voice: What Integration Looks Like;
  • Forum Theatre: Stop the Scene;
  • Game On, Hate Off;
  • A New Mosque in Sleepyville;
  • Our Voices Podcast;
  • Opportunities Mapping.

Jede Methode enthält praktische Angaben zu empfohlener Gruppengröße, Alter, Dauer und Format sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung und Vorschläge für die Auswertung. Jede Methode hat außerdem einen Abschnitt „Watch out for“ („Worauf achten“), der auf Themen wie Einwilligung, Barrierefreiheit, Rechtsstatus und möglicherweise traumatische Erfahrungen hinweist. Der Grundsatz ist klar: Junge Menschen dürfen nie gedrängt werden, ihren Migrationsstatus oder persönliche Erfahrungen offenzulegen, um an einer Bildungsaktivität teilzunehmen.

Der Beitrag von Active Yourope: Opportunities Mapping

Der rumänische Beitrag zur Toolbox ist „Opportunities Mapping - Harta Oportunităților“, ein Workshop, der auf den Erfahrungen von Active Yourope und Oportune beruht.

Der Ausgangspunkt ist einfach: Junge Menschen verpassen wertvolle Chancen oft nicht, weil sie nicht teilnehmen könnten, sondern weil die Information sie nie erreicht.

In der Aktivität erstellen die Teilnehmenden gemeinsam eine Karte echter Möglichkeiten wie Erasmus+-Mobilitäten, Freiwilligenprogramme, Praktika, Einstiegsjobs, Veranstaltungen, Mentoring-Programme und Fördermöglichkeiten. Doch eine Möglichkeit zu finden, ist erst der erste Schritt. Die Teilnehmenden prüfen auch, ob eine echte Organisation dahintersteht, ob die Frist noch gilt und ob die Bewerbung tatsächlich kostenlos ist. So verbindet die Aktivität den Zugang zu Chancen mit Medien- und Informationskompetenz.

Das ist besonders wichtig für junge Neuankömmlinge, die zusätzliche Hürden durch Aufenthaltsstatus, Visa, Kosten, Sprache oder fehlende lokale Netzwerke erleben können. Die Methode ermutigt Moderierende daher, lokale, digitale und vollständig finanzierte Möglichkeiten einzubeziehen, statt anzunehmen, dass alle Teilnehmenden dieselbe Bewegungsfreiheit oder dieselben finanziellen Mittel haben.

Von der Theorie zur Praxis in Turku

Die Mobilität zeigte auch, wie wichtig es ist, theoretische Diskussionen über Integration mit der gelebten Praxis zu verbinden. Die Teilnehmenden befassten sich mit Migrationsbegriffen, Push- und Pull-Faktoren, Integrationspolitik und nationalen Kontexten, nahmen aber auch an erfahrungsorientierten Aktivitäten und Studienbesuchen in Turku teil. Das Programm umfasste Begegnungen mit lokalen Integrationsstrukturen und Einrichtungen der Jugendarbeit, die zeigten, wie Kommunen und Gemeinschaftsorganisationen in der Praxis mit Vielfalt umgehen.

Eine Erkenntnis war, dass die Praxis die Theorie nicht nur veranschaulichen soll: Praktische Erfahrungen können selbst zum Ausgangspunkt für Reflexion und Lernen werden. Ebenso wichtig war das Lernen voneinander. Die Teilnehmenden brachten Methoden aus ihren eigenen Organisationen mit, erprobten sie mit Kolleg:innen und machten daraus Ressourcen, die nun auch andere nutzen können.

Lernen, das über die Mobilität hinausgeht

Die Abschlussevaluation bestätigt den Wert dieses praktischen Ansatzes. Die Teilnehmenden bewerteten die im Projekt entwickelten praktischen Werkzeuge besonders gut, und ihre Bereitschaft, eine ähnliche Mobilität weiterzuempfehlen, lag bei 9,65 von 10.

Wichtiger noch: Der Lernprozess hat etwas Übertragbares hervorgebracht. Die Methoden, Länderprofile und Erkenntnisse im Handbuch können nun von Jugendarbeiter:innen weit über die Gruppe hinaus genutzt werden, die sich in Finnland getroffen hat.

Für Active Yourope ist die Teilnahme an Roots & Routes Teil unseres fortgesetzten Engagements für europäische Zusammenarbeit, inklusive Bildung, Jugendbeteiligung und die Entwicklung praktischer Methoden des non-formalen Lernens. Eine internationale Mobilität wird erst dann wirklich wertvoll, wenn das erworbene Wissen nicht bei den Teilnehmenden bleibt, sondern in Ressourcen verwandelt wird, die andere teilen, anpassen und nutzen können.

Das Roots-&-Routes-Handbuch entdecken

Jugendarbeiter:innen, Trainer:innen, Pädagog:innen und Organisationen, die zu Migration, Inklusion, Teilhabe, interkulturellem Dialog oder der Prävention von Hassrede arbeiten, sind eingeladen, das Handbuch in ihrer Arbeit zu nutzen.

Laden Sie das Handbuch „Roots & Routes: Young Lives in Transition“ herunter (PDF, auf Englisch) und entdecken Sie 20 praktische Methoden zur Förderung von Inklusion, Teilhabe und Zugehörigkeit. Es steht auch zusammen mit den übrigen Materialien aus unseren Projekten auf der Seite Für Schulen.

„Roots & Routes: Young Lives in Transition“ wurde von der Europäischen Union im Rahmen von Erasmus+, Leitaktion 1, Mobilitätsprojekte für Jugendarbeiter:innen, gefördert, Projektnr. KA153-YOU-8FBBC8FD. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind ausschließlich die der Autor:innen und spiegeln nicht unbedingt die der Europäischen Union oder der Bewilligungsbehörde wider.

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